Therapiezentrum Baiersbronn

Erfahrungsbericht einer Mutter

 

Ich möchte im Folgenden von einem Besuch mit unserem Sohn im Therapiezentrum Gabriele Iven in Baiersbronn berichten. Um medizinische und fachliche Hintergründe nachzulesen, empfehle ich die Homepage von Frau Iven. In diesem Artikel soll es in erster Linie um ganz praktische Informationen gehen, was einen in Baiersbronn erwartet und wie man einen Aufenthalt dort organisieren kann.

Das Konzept

Die Logopädin G. Iven hat in Baiersbronn im Schwarzwald ein Therapiezentrum aufgebaut, in dem an die 20 Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten zusammen arbeiten, um Kinder mit besonderem Förderbedarf und deren Eltern in der Regel eine Woche lang intensiv zu betreuen. Bei der Behandlung von Säuglingen stehen dabei häufig Probleme bei der Nahrungsaufnahme im Vordergrund, es können z.B. auch die Mahlzeiten mit Unterstützung eines Therapeuten gefüttert werden. Bei älteren Kindern geht es vor allem um die Förderung der sprachlichen Entwicklung. Frau Iven stützt sich auf das Konzept der „Neuro-funktionelle Reorganisation nach Beatrix Padovan“.

Dabei sollen Bewegung, Handlung und Sprache als Einheit gefördert werden. Mundmotorische Übungen bilden nur einen Teil der Behandlung. Nach dem Konzept von Beatrix Padovan soll durch regelmäßiges Turnen die Gehirnentwicklung positiv beeinflusst werden, um tragfähige Grundlagen für die Entwicklung von Lautsprache und später auch Schriftsprache zu schaffen. In den täglichen Übungen, die rund 20 Minuten in Anspruch nehmen, wird die Entwicklung der frühkindlichen Motorik vom Strampeln über das Aufstützen, Rollen, Robben, Krabbeln, Bärengang, Aufstehen bis hin zum Laufen nachvollzogen.

Selbstverständlich reicht es nicht aus, die Kinder 1-2 mal im Jahr „behandeln zu lassen“. Es geht vielmehr darum, Eltern und Kinder während der Intensivwoche mit dem Konzept vertraut zu machen, damit sie anschließend zu Hause weiterarbeiten können. Weil erfahrungsgemäß die Motivation nach einigen Wochen sinkt und sich Fehler einschleichen empfiehlt Frau Iven, nach ca. 4 Monaten zu einem zweiten Termin wieder zu kommen. Je vertrauter die Familie mit dem Konzept wird, deso größer können dann die zeitlichen Abstände zwischen den Besuchen in

Baiersbronn werden. Langfristig kommen die meisten Kinder 1-2 mal im Jahr nach Baiersbronn.

Ob tatsächlich die 3 Therapieeinheiten täglich bei unserm Sohn Lars (damals knapp 3 Jahre) eine Entwicklung angestoßen haben, ob die neue Umgebung, die intensive Zuwendung ohne störende Alltagspflichten oder die regelmäßigen Übungen zu Hause sich positiv ausgewirkt haben, kann ich nicht sagen. Dass man bei Frau Iven selbst nur überzeugte Anhänger des Konzepts trifft, die z.T. schon jahrelang kommen, liegt auf der Hand.

Die Therapien selbst Rechtzeitig vor Beginn der Therapiewoche bekommen die Teilnehmer mitgeteilt, welche Rezepte vom Kinderarzt mitzubringen sind. Die Abrechnung mit der Krankenkasse war bei uns kein Problem, obwohl Lars regelmäßige wöchentliche Termine bei Logopädin und Krankengymnastin hat.

Nach einem detaillierten Erstgespräch in Baiersbronn bekommt jeder Patient eine Mappe, in der im Verlauf der Woche alle Therapeuten (das können auch mal 6 verschiedene sein) über die Behandlungen Buch führen. Je nach Bedürfnissen des Kindes variiert das Programm. Die genauen Termine bekommt man oft erst am Tag vorher mitgeteilt. Man sollte sich nicht scheuen, feste Gewohnheiten wie z.B. Mittagsschläfchen anzugeben, damit

sie berücksichtigt werden können. Sonst kann es schon mal passieren, dass man trotz längerem Fußweg zum Gebäude den ersten Termin um 7 Uhr morgens hat. Die 45minütigen Einheiten verliefen für Lars im wesentlichen nach einem gleich bleibenden Schema: Turnen nach Padovan, mund-motorische Übungen zum Saugen, Pusten und Kauen, Konzentrations- und Kooperationstraining (Bilder zuordnen und farbige Glöckchen sortieren) und Arbeit mit einem „Laute-Bilderbuch“ : Lars machte sehr motiviert und konzentriert mit. Erst als ich am 4. Tag

anfing, das Turnen unter Anleitung der Therapeuten mit ihm selbst durchzuführen, stieß ich auf z.T. heftige Gegenwehr. Auch wieder zurück in Köln brach mir beim Üben noch manches Mal der Schweiß aus. Sollte ich versuchen, gegen Lars Widerstand anzuarbeiten und ihn mehr oder weniger zu den Übungen zu zwingen? Oder sollte ich versuchen, in ihm Spaß am Mitmachen zu wecken, auch wenn wir dann vielleicht ungeliebte Übungen auslassen müssten und die verbindliche Reihenfolge nicht einhalten könnten? Mittlerweise gehen wir einen pragmatischen Mittelweg. Bei den ersten Übungen, die von Lars eigentlich nur passives Sich-bewegen-lassen verlangen, macht unser Sohn sich gerne mal steif wie ein Brett und protestiert lauthals. Wenn dann Rollen, Robben,. Bärengang usw. dran sind, turnt sein Zwillingsbruder und großes Vorbild Simon mit und Lars hat Spaß an den Bewegungen. Zwischendurch gibt es Frühstücksflocken als Belohnung, wobei aber Lars die Dose, die man quer durchs Wohnzimmer schliddern lassen kann, wichtiger ist als der Inhalt. Alle Übungen werden übrigens vom Erwachsenen mit täglich gleichen Liedern und Versen begleitet.

Beim Umgang mit den Puste- und Blas-Instrumenten lasse ich Lars dann einfach gewähren. Zusammen mit seinem Bruder schafft er es mittlerweile schon, einen ziemlich beeindruckenden Krach zu veranstalten. Außerdem gibt es Getränke nur noch durch den Trinkhalm und wer Salzstangen essen will, muss das (weitgehend) ohne Hände tun.

Mit Hilfe der Bildersuche bei Google habe ich ein Lautebuch zusammengestellt, ähnlich dem in Baiersbronn, aber auf Lars Vorlieben abgestimmt.

Zu jedem Laut, der gelernt werden soll, gibt es eine Seite mit dem entsprechenden Großbuchstaben und einem Bild, oft auch einem Gegenstand als Hilfsmittel. Bei „AU“ ist ein Junge abgebildet, der sich verletzt hat. Bei „Ei“ wird eine Katze gestreichelt. Zum „U“ spielen wir mit einem weißen Tuch Gespenst. Bei „i“ kleckert jemand mit Tinte und reckt den schmutzigen Finger in die Höhe.

Bei „P“ pusten wir eine Feder vom Handrücken. Bei „M“ reibt sich Lars beim Anblick seines Lieblingsessens den Bauch. Bei „F“ lassen wir Luft aus einem Ballon entweichen usw. . Lars macht das Blättern im Buch Spaß, er kennt alle Gesten und artikuliert zunehmend auch die richtigen Laute.

Frau Iven empfiehlt, die Kinder mindestens 1mal täglich Musik (vorzugsweise Klassik) oder evtl. auch Hörspiele mit dem „Lateraltrainer“ hören zu lassen. An dieses Gerät werden ein CD-Player und Kopfhörer

angeschlossen und das Kind hört dann abwechselnd auf auf dem rechten und dem linken Ohr.

Dadurch sollen beide Gehirnhälften besser vernetzt werden und schneller zusammenarbeiten. Auch Leserechtschreibschwäche wird erfolgreich mit Lateraltraining behandelt.

Außerdem haben Eltern die Erfahrung gemacht, das die Schwingungen der Gehörknöchelchen, die das Hören über Kopfhörer auslöst, sich positiv auf Paukenergüsse auswirken und unter Umständen Paukenröhrchen überflüssig machen. Lateraltrainer stehen im Therapiezentrum zum Ausprobieren zur Verfügung.


Das Therapiezentrum

Das moderne, großzügige Gebäude liegt im Zentrum des Ferienortes. Jede Etage hat einen kleinen Warte- und Spielbereich. Im Erdgeschoss bieten eine Küchenzeile und Tische die Möglichkeit, mitgebrachte Mahlzeiten aufzuwärmen oder in Ruhe einen Kaffee zu trinken. In einem kleinen Shop wird schönes, aber nicht unbedingt preiswertes Fördermaterial angeboten. Der eingezäunte Spielplatz vor der Tür ist durch die Glasfront gut

einsehbar. Eine Bücherecke mit Literatur für wartende Eltern sucht man leider vergeblich.


Anreise und Unterkunft

Zusammen mit der Anmeldebestätigung bekommen die Teilnehmer ein Verzeichnis von Ferienwohnungen in Baiersbronn zugesandt. Eine geeignete Wohnung kann man ab ca. 30 Euro pro Nacht in unmittelbarer Nähe des Therapiezentrums finden – vorausgesetzt, man kümmert sich früh genug darum.

Umfangreicher und aussagekräftiger ist das Verzeichnis, dass das örtliche Tourismus-Büro herausgibt. Es enthält auch einen detaillierten Lageplan. Vom Bahnhof läuft man ca. 10 Minuten bis zur Ortsmitte, viele Gastgeber bieten aber auch an, Gäste vom Zug abzuholen. Lars und ich sind mit der Bahn angereist. Ab Mannheim fährt man noch ca. 70 Minuten eine landschaftlich sehr schöne Strecke durch den Schwarzwald. Die Mitnahme des breiten (Zwillings-)wagens war kein Problem. Lediglich in Baiersbronn selbst kann man die Linienbusse nur mit zusammengefaltetem Buggy benutzen, da z.T. Reisebusse eingesetzt werden. In der Kurtaxe ist übrigens auch eine Dauerkarte für den Nahverkehr enthalten.

Teilweise verkehren die Busse aber nur stündlich, in der Mittagszeit und nach 19 Uhr gar nicht mehr.

Wer erst am Montag anreist, sollte mit den Mitarbeiterinnen von Frau Iven vereinbaren, um wie viel Uhr die erste Therapie beginnen kann. Vor Ort kann man sich dann in eine Liste eintragen, wenn man auch Samstags noch 1 oder 2 Therapien haben möchte.


Der Ort Baiersbronn

Die Infrastruktur von Baiersbronn orientiert sich er an Kurgästen in reiferem Alter. An Apotheken, gediegenen Restaurants und Geschäften für Damenoberbekleidung herrscht kein Mangel. Verschiedene Hotels bieten aber auch einen Mittagstisch zu familienfreundlichen Preisen an. Es gibt Bäckereien, einen Drogeriemarkt, einen Waschsalon und verschiedene Discounter. Vor kurzem hat auch ein sehr netter Kinderarzt eine Praxis eröffnet, so dass man auch ohne Auto und mit wenig Gepäck gut zu Recht kommt.

Im Tourismus-Büro bekommt man zahlreiche Vorschläge für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung.

Außerdem gibt es das Murgel- Spielehaus, In der Ferienzeit treffen sich dort fast täglich kleine Kinder ab 3 Jahren zum freien Spiel ohne Eltern. Ältere Kinder ab 6, 10 oder 14 Jahren können reiten oder Zahncreme

herstellen, mit Komissar Murgel im Wald ermitteln, probeweise Gleitschirm fliegen, einen Indianernachmittag verbringen oder in einer Hotelküche kochen. Teilweise ist dabei ein Unkostenbeitrag fällig. Ein Programmheft listet alle Angebote auf.

Wenn jüngere Geschwisterkinder mitfahren, können sie während des Aufenthaltes im kath. Kindergarten in der Nähe des Therapiezentrums aufgenommen werden.


Therapiezentrum Iven

Logopädie / Ergotherapie / Physiotherapie

Neumühleweg 9

72270 Baiersbronn

Telefon : 07442 / 81138

Telefax : 07442 / 81137

Baiersbronn Touristik

Rosenplatz 3

72270 Baiersbronn

Telefon 07442 / 8414-0