Euro Contact -  eine etwas andere Freizeit für junge Menschen mit Behinderung

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Der Verein EuroContact e. V. veranstaltet in Kooperation mit der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde inklusive internationale Begegnungsseminare für Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren - ein einmaliges Projekt in Europa!

Jedes Jahr im Sommer treffen sich im Münsterland Jugendliche aus den verschiedensten europäischen Ländern, um gemeinsam zu lernen und zu leben. Begleitet werden die Jugendlichen von Studierenden der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

 

 

Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung unter:  www.eurocontact-ev.de

 

Hier ein Bericht über die Freizeit im Jahr 2008

 

EuroContact 2008 – Reise um die Welt und zu mir selbst


Über 80 Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern trafen sich in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde im Münsterland im Juli zu einer Jugendbegegnung der außergewöhnlichen Art. Rund um das Thema „Reise um die Welt und zu mir selbst“ tauschten sich Jugendliche mit und ohne Handicap aus, lebten und lernten gemeinsam während eines 12tägigen Aufenthalts.


„Ich hätte nie gedacht, wie ungezwungen so viele verschiedene Menschen miteinander umgehen können!“ Kasia (18) aus Polen ist begeistert über das, was ihrer Meinung nach den EuroContact ausmacht. Besonders genießt sie beim EuroContact die Möglichkeit, Jugendliche aus anderen europäischen Ländern kennen zu lernen, sich mit ihnen auszutauschen, etwas über ihre Sichtweisen, Lebensarten und kulturellen Besonderheiten zu erfahren. Sie freut sich über die Gemeinsamkeiten, die sie trotz aller Verschiedenheit feststellen kann: die Freude an Gesprächen, am Austausch, am gemeinsamen Leben und Erleben beim EuroContact.


Dieser Austausch wird gezielt durch verschiedene Programmelemente gefördert und vielfach im informellen Bereich fortgeführt. Ein Team von Studierenden der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln bereitet über ein Jahr hinweg die Jugendbegegnung vor und bietet ein Programm an, das auf den Eckpfeilern Inklusion, Partizipation und interkulturelles Lernen basiert. Am EuroContact 2008 nahmen Jugendliche aus Luxemburg, Deutschland, Polen, Ukraine, Belarus, Ungarn und Russland teil. Etwa die Hälfte der Jugendlichen hat eine Beeinträchtigung in den Bereichen Lernen, Verhalten/Erleben, Motorik, Wahrnehmung oder geistige Entwicklung – durch die besondere Programmgestaltung beim EuroContact werden jedoch gerade ihnen bisher vielfach ungekannte Räume eröffnet, aktiv teilzuhaben und selbst den EuroContact mitzugestalten.


Die „Reise um die Welt und zu mir selbst“ des diesjährigen EuroContacts fand mottogerecht auf dem imaginären Segelschiff „Hoppetosse“ statt. Durch diesen Rahmen ergab sich eine Geschichte, die die gesamte Jugendbegegnung wie ein roter Faden durchzog: Am ersten Tag reisten die Teilnehmer/innen an und erhielten ein Visum für 12 Tage auf der „Hoppetosse“, die im Rahmen einer großen Eröffnungsfeier feierlich den „Hafen“ verließ, um an verschiedensten Stationen bzw. Programmangeboten Halt zu machen und schließlich mit einem großen Galadinner mit Abschlussfeier wieder am „Hafen“ anzulegen.


Bereits am ersten Abend teilten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in fünf vom Team im Vorfeld vorbereitete Communities auf, die zu den Themengebieten Krimi, Medien, Sport, Natur und Umwelt sowie Musik arbeiteten. Neben Freizeitaktivitäten fand in den Communities vor allem eins statt: die gemeinsame Planung und Durchführung eines COM4Alls, einer Großgruppenaktivität für alle Teilnehmer/innen des EuroContacts. Die Community Sport veranstaltete beispielsweise ein großes alternatives Sportfest für alle, während in anderen Communities Bühnenprogramme und Jahrmärkte zum jeweiligen Oberthema organisiert wurden. Ein besonderes Highlight war dabei das COM4All Krimi, in dem es galt, gemeinsam einen Mord aufzuklären. In den COM4Alls zeigt sich auch das Besondere des EuroContacts, denn hier konsumieren Jugendliche nicht einfach ein Programmangebot. Sie konzipieren in Eigenregie – lediglich mit überwiegend organisatorischer und moderativer Unterstützung durch die Teamer/innen – ein Programmangebot für alle anderen und tragen so selbst zum Gelingen des EuroContacts bei. „Ich fand es super, meine Ideen umsetzen zu können. Das Beste war, dass alle anderen total begeistert waren und alles mitgemacht haben! Wir hatten so einen tollen Nachmittag, es war echt super!“ freute sich in diesem Jahr zum Beispiel Anna (21) aus Ungarn. „Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass alle so miteinander arbeiten und sich gegenseitig helfen. Und vor allem haben alle echt viel Spaß dabei!“


Neben den Communities und den COM4Alls gaben insbesondere die Workshops Gelegenheit, sich mit den anderen Nationen und Kulturen auseinanderzusetzen. Sie fokussierten das Thema „Reise um die Welt und zu mir selbst“ in ganz unterschiedlichen Zugangsweisen. In Kleingruppen bereisten die Jugendlichen einzelne Inseln, die unterschiedliche Aktivitäten ermöglichten. Auf „Fairytalia“ fand eine Theaterreise durch die europäische Märchenwelt statt, während auf „Creativia“ die Herstellung verschiedenster Reisesouvenirs wie T-Shirts, Geldbeutel aus Tetrapacks, Filz-Schlüsselanhänger oder Schlüsselbretter im Mittelpunkt stand. Im Workshop „EatArt“ beschäftigten sich die Jugendlichen mit sozialpolitischen Fragestellungen rund um das Thema Nahrung und setzten die Diskussionsergebnisse anschließend künstlerisch um. Eine weitere Gruppe führte eine Umfrage durch, auf der Insel „Mobilia“ erstellten die Jugendlichen eine Fotostrecke über eine Reise von der Vergangenheit in die Zukunft.


Ein besonderes Highlight war der Tag der Offenen Tür. Die „Hoppetosse“ legte an und lud alle Interessierten zu einer großen Strandparty mit Länder- und Workshoppräsentationen ein. Auch wenn das Wetter an diesem Tag nicht ganz strandtauglich war, genossen die Jugendlichen es sehr, ihr Land und ihre bisherigen Arbeitsergebnisse den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und vielen Gästen zu präsentieren. Kreativität wurde dabei großgeschrieben: Neben Theatervorstellungen und Powerpoint-Präsentationen fanden ein Quiz, Liedvorträge und Tänze statt.


Auch in der Politik stieß der EuroContact auf Interesse. Gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin von Nordwalde und einem Ratsmitglied besuchte der Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling den EuroContact. In einem persönlichen Gespräch informierte er sich über das Projekt und schaute sich die Arbeit in den Communities an. „Super, dass sich die Politiker auch für so ein Projekt wie den EuroContact interessieren! So können sie sehen, dass Behinderungen und Sprachbarrieren gar nicht so wichtig sind“, kommentierte Dima (22) aus Belarus kurz und knapp den Besuch.