Das besondere Kind gemeinsam fördern

Dies war das zentrale Thema der Festwoche in der Johannes - Schule Bonn  anlässlich des 20-jährigen Bestehens dieser schönen Schule.

Die Johannes-Schule ist eine freie Waldorf-Förderschule, die nicht nur durch ihre besondere Architektur besticht, sondern auch durch die Achtung und Wärme, die sie Kindern mit besonderem Förderbedarf entgegen bringt. Das Lernangebot ist sehr vielfältig und auf „hohem“ Niveau. Wer für sein Kind einen Mittelweg zwischen geistigbehinderten Pädagogik und Integration sucht, sollte dieser Schule an einem ihrer vielen Tagen, in denen sie sich dem Publikum öffnet, einen Besuch abstatten und viele neue Anregungen für die Förderung zu Hause mitnehmen.

Vortrag im Rahmen der 20-Jahresfeier:

Fördern – (Heraus)fordern: einen Weg finden
Fördern – Fordern – Herausfordern: ist es nur Zufall, dass diese Begriffe in der deutschen Sprache so nahe beieinander liegen? Es sind auf jeden Fall unlösbare Aspekte der Erziehung.
Aber was  heißt richtig fördern? Diese Frage beschäftigt uns Eltern besonders. Wie viel dürfen oder müssen wir fordern, von unseren Kindern oder von uns selbst? Und wie erleben wir, die Eltern, Lehrer oder Therapeuten diese Herausforderung?
Wie schaffen wir die erforderlichen Bedingungen, damit unsere besonderen Kinder an der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts teilhaben können?
Wie führen wir sie dahin, dass sie zu Selbstbestimmten, Sozialfühlenden Persönlichkeiten werden?
Wie lassen sich diese Eigenschaften mit dem Erwerb von Wissen vereinbaren, die das heutige Wirtschafts- und Freizeitleben fordert?
Und wie schaffen wir es, all das, was in ihnen veranlagt ist, zur Entwicklung zu bringen?

Fördern: mehr als begleiten und unterstützen?
Förderung, mit dem Gegenpol Lernen, soll jedem Menschen helfen, sich besser an seine Umwelt anzupassen, besser in ihr zu recht zu kommen. Wem das nicht gelingt oder nicht ausreichend gelingt, ist in unserem Sprachgebrauch behindert. In der Regel ist das keine sehr gern gesehene Eigenschaft und deshalb setzen wir meist alles daran, dies zu ändern.
Wenn ein Kind dann unser Förderangebot annimmt, ist das für die Eltern sehr beruhigend, es ist eine Bestätigung und es erfüllt uns mit Freude. Merken wir aber, dass unser Kind das Angebot ablehnt, – zum Beispiel nicht versucht zu laufen, sauber zu werden, nicht sprechen oder lesen lernen will, obwohl wir uns so bemühen, dann werden wir meist unruhig. Wir suchen nach den Gründen, probieren eine andere Methode aus, werden manchmal ungeduldig und sogar böse mit dem Kind oder auch mit den Fachleuten. Wir zweifeln (oder verzweifeln) an uns selbst.
Wie viel einfacher ist es andererseits, wenn das Kind selbst die Initiative ergreift und uns zeigt, dass es zum Beispiel gern liest, Klavier oder Fußball spielt und wir es nur noch begleiten und unterstützen brauchen. Aber eine solche Eigeninitiative ist bei unseren Kindern leider nicht so oft der Fall!

…denn sie haben keine Zeit zu verlieren
Als ich mich nun gedanklich auf diesen Vortrag vorbereitete, bin ich auf den Satz einer holländischen Sprachtherapeutin gestoßen, die in einer Selbsthilfegruppe, das „Frühlesen“ als Mittel zur Sprachanbahnung erläuterte, weil, wie sie sagte „die Kinder doch keine Zeit zu verlieren hätten“.
Dieser Satz - dass ein Kind mit einer geistigen Behinderung keine Zeit zu verlieren hätte - führte mich ganz in jene Zeit zurück, als ich auch hoffte und glaubte, durch eine entsprechende Förderung, das Down-Syndrom und die verlangsamte Entwicklung meines Sohnes austricksen zu können. Auch ich hatte Angst etwas zu versäumen und ich habe deshalb auch vieles gelesen, ausprobiert, viele Fachleute gefragt. Ich hätte, wie alle Eltern gern die Zukunft vorweg genommen.

Je mehr man hineinstopft…
Ich erinnere mich auch an die Worte einer Kinderärztin damals, selbst Mutter eines behinderten Mädchens, man solle möglichst viel hineinstopfen, damit möglichst viel herauskäme: „Je mehr Input“ sagte sie, „desto mehr Output.“
Das war allerdings eine völlige Verkennung der Art und Weise, wie sich ein kindliches Gehirn tatsächlich entwickelt.
Nachdem mich nun dieser Satz der holländischen Sprachtherapeutin doch sehr nachdenklich gemacht hatte, stieß ich fast zeitgleich auf eine Diskussion in einem Elternforum, die sich mit dem gleichen Thema befasste.
Es geht mir hier nicht darum eine bestimme Fördermethode zu beurteilen und auf keinen Fall, möchte ich die Gefühle der Eltern bloßstellen, aber ich glaube, dass es sehr wichtig ist, Eltern selbst zu Wort kommen zu lassen, denn ihre Gefühle sind entscheidend für eine ausgewogene Förderung, werden aber häufig nicht berücksichtigt. Unsere Ziele vermischen sich mit Gefühlen der Trauer, der Angst, der Verzweiflung, des sozialen Drucks aber auch der Hoffnung, wenn wir unser Kind mit Entwicklungsproblemen helfen wollen, so dass uns der klare Blick für das richtige Maß fehlt. Wir brauchen deshalb die Unterstützung unserer Mitmenschen. Oft aber findet niemand die richtigen Worte: die Betroffenen selbst nicht, die Freunde und Verwandten nicht, die Fachleute nicht. So wird es viel schwieriger für Eltern, Lehrer oder Therapeuten gemeinsam zu reflektieren und gemeinsam einen für alle Beteiligten sinnvollen Weg für ein bestimmtes Kind finden, deshalb möchte ich diese Eltern hier zitieren.  

Kaufe ein Programm und alles wird gut….
„Unser Marius  ist in wenigen Tagen zwei Jahre alt und wir wollen einen Neustart mit Frühem-Lesen-Lernen wagen.
Bisherige Versuche scheiterten an Marius Neugier für ganz andere Dinge. Aber uns fehlt neben Konsequenz und Ausdauer auch die Theorie für die Methode. Auch wenn ich dazu ein Seminar besucht habe, ist es doch etwas anderes, die Methode per Vortrag und Video selbst zu verstehen oder sie dann an unseren kleinen Wirbelwind weiter geben zu sollen.
Nun sind wir auf der Suche nach denen, die uns die Methode noch einmal erklären, uns die ganzen aufgekommenen Fragen beantworten und uns auch Mut zum Durchhalten machen.“
Nach diesem Brief entwickelte sich nun keine Diskussion über den Sinn des Frühlesens, noch darüber wie viel sie tatsächlich zum Sprechen beiträgt, sondern viel mehr über den Zwang, fördern zu müssen.
„…also glaub mal, in den Krabbelgruppen geht z. T. aber richtig die Post ab, der kann schon laufen, meiner nicht, der kann schon klettern, meiner nicht etc… Wie hast Du das denn gemacht, tuschel, tuschel, etc. etc. … Da wird auch ganz schön viel verglichen, viel zu viel, wie ich finde“.

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„Die Selbsthilfegruppen sind voll von Müttern mit Zweifeln und voll von
Kindern die sich sehr unterschiedlich entwickeln.
„Was mich interessieren würde, ist, ob Eltern von "Normal-Syndrom" Kindern sich auch diese Quälenden Gedanken machen, Vorwürfe, muss-ich-mehr-fördern, usw…
Stellen die auch diese Vergleiche an, wie schnell lernt mein Kind diesen oder jenen Schritt?“


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„Viele Freunde, die es gut mit uns meinen, sagen so dahin: "Ach, normal... was ist schon normal? Auf die Norm kommt es doch gar nicht an.
Soll ich Euch was sagen? Das ist lieb gemeint, aber Quatsch. Natürlich kommt es auf die Norm an, zumindest allen Eltern, die ich kenne. Und zwar nicht unbedingt, weil man ablehnt, was außer der Norm liegt. Nein, die Norm entlastet ungemein.
Alle Mütter (vor allem die) scannen bewusst oder unbewusst ständig die ihnen vergleichbaren Kinder und Familien in ihrer Umgebung danach ab, wo sie sich im Vergleich dazu z.B. in der Entwicklung, aber auch in der Erreichung pädagogischer Ziele, der Einstellung zu gesundheitlichen Themen etc. befinden. Und dann kalkuliert man automatisch den eigenen Abstand zur Norm und bewertet, wie viel davon man toleriert
… Aber man spürt eben ganz automatisch, wenn das eigene Kind plötzlich in einem Bereich deutlich abweicht. Und sollte man das nicht bewusst so gesteuert haben, dann weiß man, jetzt ist es an der Zeit etwas korrigierend zu unternehmen….
So, und mit unseren Kindern fallen wir eben aus der Norm heraus und dadurch fällt es plötzlich so wahnsinnig schwer zu beurteilen, ob gewisse Entwicklungsschritte deshalb zurückbleiben, weil es eben veranlagungsgemäß so ist, oder weil man selbst etwas falsch gemacht hat…
Mit wem soll ich mich da vergleichen? Ich kann nur noch ganz gezielt andere „betroffene“ Eltern befragen, oder mich auf den Rat von Experten verlassen, die ich vorher aber irgendwie gesucht und für gut befunden haben muss.
Ich glaube, dass deshalb viele Fragen, die man mit „normalen“ Kindern intuitiv durch gewisse kollektive Erfahrung beantwortet, eine ganz andere Größenordnung bekommen und viel bewusster und „verkopfter“ gelöst werden müssen…“
Neugier steht am Anfang jeden Lernens
Gerade dieser letzte Brief fasst alles zusammen, was uns das richtige Maß an Förderung so schwer macht. Man merkt, wie sehr der soziale Druck lastet, weil unser Kind von der Norm abweicht und wie sehr, das Fehlen von Beispielen in der eigenen Umgebung verunsichert. In diesen Briefen spürt man Schmerz, Trauer, Hoffnung. Angesichts der Unumkehrbarkeit mancher Diagnose und der Unsicherheit über die künftige Entwicklung ihres Kindes haben die Eltern – psychologisch gesehen – zunächst nur die Wahl zwischen Untätigkeit und Abgeben der Verantwortung an spezialisierte Institutionen oder übermäßigem Engagement. Das sind ganz normale Reaktionen, die in bedrohlichen Situationen immer auftreten: fliehe, stecke den Kopf in den Sand oder kämpfe.
Aus manchen Briefen, die ich hier nicht zitiert habe, spricht regelrechte Verzweiflung und man möchte manche Mutter in den Arm nehmen und ihr Mut machen, ihr einfach ihren mütterlichen Erziehungsinstinkt zurückgeben.
Wie froh sollte Marius Mutter doch sein, dass er so neugierig ist, denn Neugier steht am Anfang jeden wirklichen Lernens! Wie viel besser wird Marius letztlich sprechen lernen, wenn dazu seine Neugier genutzt wird. Neugier ist ein wichtiges Kennzeichen aller Kleinkinder. Auch wenn sie hypoton oder antriebsarm sind, dann noch hat ihr junges Gehirn das Bestreben, die Welt zu verstehen und kennen zu lernen. Wir müssen allerdings umso empfindsamer auf die Signale achten.
Aber vielleicht hat ihr das niemand erklärt! Sonst wäre sie stolz gewesen, ein so neugieriges Kind zu haben und hätte sie nicht unter einem solchen Erfolgsdruck gestanden!

Erleben und erfahren wichtiger als programmieren
Obwohl Reformpädagogen bereits um 1900 eine Pädagogik vertraten, die nicht nur etwas mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und mit dem Herzen zu tun hatte, vertraten führende Entwicklungspsychologen auch vor einigen Jahrzehnten noch die Meinung, dass Lernen und Fördern vor allem etwas mit dem Programmieren der Lerninhalte und dem Programmieren des Lernenden zu tun hatte. Lernen müsse als das Ergebnis planbarer Schritte gesehen werden! Nicht das individuelle Kind und seine Anlagen waren maßgeblich, sondern die theoretische Aufbereitung der Lernschritte. Erleben und erfahren fanden kaum Berücksichtigung. Und wenn ich so höre und lese, was Eltern mit jungen Kindern heute beschäftigt, hat sich das noch nicht wesentlich geändert. Aber wer programmiertes Mit-dem-Kopf-Lernen voranstellt, verstellt den Blick, für das, was ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich lernen möchte und kann.

Marius will lernen und zwar das, was seine ganz persönliche Entwicklung ihm (und seiner Mutter) vorgibt. Sie kann dies aber leider nicht als wichtige Schritte sehen, weil sie glaubt, bestimmte Fertigkeiten von ihm erzwingen zu müssen, weil ihm ja „die Zeit davon rennt“.
Im kindlichen Gehirn müssen sich aber erst viele Fähigkeiten entwickeln und vernetzen, damit ein Kind sprechen lernen kann. Abstrakte Zeichen wieder erkennen und in Laute umsetzen, gehört da erst mal nicht zu. Zumindest scheinen aus heutiger neurolinguistischer Sicht in einem so jungen Alter die dazu erforderlichen Hirnverbindungen zu fehlen.
Marius kann deshalb mit dem, was ihm da angeboten wird, nichts anfangen und wahrscheinlich hat er eine ganze Reihe von Tricks, mit denen er versucht diesen „Lernsituationen“ zu entrinnen. Vielleicht nutzt er seinen Charme, vielleicht haut er ab, schmeißt mit Sachen herum, vielleicht „bockt“ er, wie es dann heißt….
In manchen Förderprogrammen findet sich eben nicht wieder, dass neben Neugier und Offenheit, auch Freude, Erfolgserlebnisse und Vertrauen in das eigene Können und eigene Tun, wichtig sind für den Lernerfolg.

Jedes Kind braucht einen Vermittler
Aus einem Brief geht hervor, wie die Suche nach Fachleuten, die man vertrauen kann, nicht immer selbstverständlich ist. Dieses zwiespältige Verhältnis zu den Fachleuten ist oft für beide Seiten ein Problem. Vor einigen Jahrzehnten noch gab es noch viele unhaltbare Ansichten in Bezug auf Kinder mit Behinderung, ich denke da z. B. an gehörlose Kinder, die ihre Hände nicht benutzen durften, um zu sprechen oder Kinder mit Autismus, deren immensen Wahrnehmungsprobleme nicht erkannt wurden oder an Kinder mit Down-Syndrom, von denen man annahm, dass sie gar nicht theoretisch lernen könnten. Dieses fehlende spezifische Wissen, hat Generationen von Fachleuten geprägt.
Gleichzeitig aber fingen Eltern und Selbsthilfegruppen an, kämpferisch das Recht auf Bildung für ihre Kinder zu fordern. Dieser Gegensatz hat glaube ich, zu sehr viel unnötigem gegenseitigem Misstrauen geführt.
Erst in den sechziger-siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich die Erkenntnis, dass Kinder, die in der Schule versagen, häufig auch einen schlechten Start im Elternhaus haben. Man erkannte, die Wichtigkeit der Umwelt, in der ein Kind aufwächst, und gleichzeitig führte die Auseinandersetzung mit Entwicklungs-theorien zu Frühförderprogrammen aller Art, so ist  u. a. auch die Sesamstraße entstanden, weil man hoffte, für benachteiligte Kinder durch einen „Head start“ – einen Vorsprung- die gleichen Chancen für alle in der Schule zu gewährleisten.
Heute weiß man, dass diese einseitige Sichtweise der Förderung, viel zu wenig berücksichtigt, dass ein Kind vor allem einen Vermittler braucht, jemand, der ihm die Welt nahe bringt. Ein Kind lernt nicht durch Programme und technische Hilfsmittel, sondern durch die Zuwendung von Menschen.

Fördern: eine passende Umgebung schaffen, damit sich das Gehirn harmonisch entwickelt
Die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden in den USA zum Jahrzehnt des Gehirns erklärt und seitdem haben wir vielmehr Einblicke in das lernende Gehirn eines Kindes erhalten. Unter anderem auch deshalb versuchen Entwicklungspsychologie und Pädagogik von früheren Förderkonzepten abzurücken.
Die gute Nachricht ist wohl, dass eine Pädagogik, wie sie hier an der Johannes-Schule vertreten wird, der Art und Weise wie das kindliche Gehirn arbeitet und sich entwickelt sehr nahe zu kommen scheint.
Denn wie schon vor über 100 Jahren von manchem Pädagogen gedacht, gehen bei der Hirnreifung und dem Hirnwachstum Wahrnehmung (hören, sehen, riechen, fühlen, spüren, tasten), Impuls und Handlung, Hand in Hand. Nur wenn sich Wahrnehmung und Erleben – das Tun - immer wieder miteinander verknüpfen, kann sich das kindliche Gehirn ausgewogen entfalten. Nur so können sich Fähigkeiten entwickeln und festigen. Sie entstehen letztlich aus den millionenfachen Verbindungen, die die verschiedenen Hirnbereiche durch „Erfahren“ untereinander herstellen. Es entstehen so stabile Netzwerke. Brüchige Stellen oder Einbahnstraßen führen dazu, dass sich neue Funktionen und Fähigkeiten nicht oder nur mangelhaft ausbilden können, denn das Hirnwachstum verläuft zwar nicht in klar abgetrennten Phasen und Stufen, aber doch nach einer grundlegenden Ordnung.
Ein solches Bau- und Wachstums-prinzip findet übrigens überall in der Natur und in der physischen Welt wieder: ein Baum braucht ein stabiles Wurzelwerk, ein Haus ein stabiles Fundament. Das gilt für unser Gehirn genauso.

Kinder mit Behinderung starten bereits mit einem strukturell und funktionell beeinträchtigten Gehirn. Fördern heißt deshalb, eine passende Umgebung und die richtigen Bedingungen schaffen, damit das Gehirn dennoch möglichst rhythmisch und ausgewogen wachsen kann.

Fördern heißt Erfahrungen vermitteln, damit sich alterstypische oder besser entwicklungsaltertypische Fähigkeiten entwickeln können.
Die Förderung muss deshalb in Abstimmung mit der individuellen Entwicklungssituation eines Kindes, seiner Reife, seiner Verfassung, seiner Gesundheit und seiner Gemütslage gestaltet werden.
Es können keine Leistungen und Fertigkeiten vor der erforderlichen Reife abverlangt werden und Anlagen, die sozusagen zur Entwicklung drängen dürfen nicht unterdrückt werden. Das heißt, dass wir nicht verfrüht etwas hineinstopfen sollten, sondern das wachrufen und zur Entfaltung bringen müssen, was bereits vorhanden ist.

Gehirnentwicklung braucht Zeit
Dies setzt voraus, dass der Erwachsene das Kind genau beobachtet, mit ihm fühlt, versucht ihm nahe zu sein. Dazu bieten sich im Alltag des Kleinkindes viele Erzähl- oder Spielsituationen an: Der Sandkasten, der Garten, die Küche: das alles sind ideale Orte, um die Sinnesfähigkeiten (hören, sehen, riechen, fühlen, spüren, tasten) zu stärken. Im Spiel und beim Mitmachendürfen zeigt das Kind am Ehesten, wozu es bereit ist - man braucht diese Bereitschaft nur aufzugreifen.
Aber es braucht Zeit bis ein Kind, wie das was einmal so schön ausgedrückt wurde, vom „Greifen zum Begreifen“ kommt. Es wird auch entscheidend von den Vorbildern geprägt, denn neben dem Wunsch den eigenen Körper und die Umwelt zu entdecken, hat das Kind auch das Bedürfnis durch Nachahmung zu lernen, wie es sich in dieser Umwelt verhalten soll.
Kinder mit Behinderung haben oft eine gestörte Wahrnehmungsfähigkeit in unterschiedlichen Bereichen, d. h., dass was sie sehen, hören, spüren, tasten usw. verarbeiten sie nicht so wie die meisten Menschen, deshalb ist es für sie auch so viel schwieriger zu lernen. Unser Förderangebot, muss also darauf gerichtet sein, dem Kind das zu geben, was es sich selbst noch nicht holen kann. Wenn wir ihre Sinne anregen und schulen, und darüber hinaus ihre Phantasie und Kreativität unterstützen, sammelt das Kind vielleicht nicht so viel „Wissen“ oder „Schulwissen“, aber es kann lernen sich, vielleicht trotz mancher Einschränkung, im Leben zurecht zu finden.

Vielleicht kein Rucksack voller Schulwissen aber Lebenstauglichkeit
Gerade wenn unser Kind lernverzögert oder geistig behindert ist, haben wir als Eltern oft das Bedürfnis seine Denkkraft besonders fördern zu müssen. Wir sollten diese aber für „…eine optimale Entwicklung zur richtigen Zeit erhalten und nicht durch intellektuelle Einseitigkeit zum falschen Zeitpunkt frühzeitig verbrauchen...“
Dies ist ein Zitat, welches ich einmal in einer Einführung zur Waldorf-Pädagogik gelesen habe und es entspricht genau den heutigen Erkenntnissen der Hirnforschung.
Der vordere Hirnbereich, die sogenannten Frontalstrukturen, die unseren Willen, unsere Persönlichkeit, unsere Fähigkeit uns in unsere soziale Umgebung einzufügen (unsere Sozialkompetenz) lenkt, entwickelt sich nämlich zuletzt. Diese Strukturen sind erst jenseits der Pubertät voll ausgebildet. Bei unseren Kindern entwickeln sie sich sehr viel langsamer und meist unvollständig.

Fördern: strukturieren und fordern
Das Frontalhirn vermittelt auch das nötige Urteilsvermögen, in jeder Situation das Angemessene zu tun. Es leuchtet deshalb auch ein, dass man von jungen Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung oder Lernschwäche weniger eigenständige Entscheidungen erwarten kann und oft ihr Verhalten gesteuert werden muss, d. h. auch dass  ihre Umgebung und ihren Tagesablauf vorstrukturiert oder wichtige Verhaltensweisen durch häufiges Wiederholen zur Routine werden müssen.
Es bedeutet auch genaue Ziele zu setzen und Forderungen zu stellen, die das Kind erfüllen kann und auf Basis derer, es weiter lernen wird. Dabei soll der Schwierigkeitsgrad nur leicht über dem, was das Kind bereits leisten kann liegen. Auch das Kind mit Behinderung braucht Herausforderungen, aber von dem Kind Unmögliches fordern, führt zu Entmutigung, zu ausweichendem oder störendem Verhalten, wie wir das bei Marius gelesen haben.
Fördern heißt deshalb auch, um die Stärken des Kindes wissen und diese nutzen, damit es Erfolg erlebt. Es heißt weiter, eine Umgebung schaffen, in der sich das Kind angenommen fühlt und es ein Gefühl der „Gegenseitigkeit“ erhält, wie die israelische Kinderpsychologin Pnina Klein es nennt, d. h., dass das Kind sich als wichtiger Partner empfindet, dessen Eigenheiten akzeptiert und dessen Vorstellungen respektiert werden.
Das sind äußere Bedingungen, die das Gehirn mit den nötigen Botenstoffen versorgen, damit es optimal funktionieren und lernen kann.


Kimi, ein Junge aus Finnland

Wie sehr unsere Blickrichtung, die Schullaufbahn eines Kindes – und seine Zukunft bestimmen kann – zeigt die Geschichte von Kimi. Oft hat er mich an manche Probleme von Kindern mit Down-Syndrom in einer integrativen Situation, aber auch in der Förderschule erinnert.
Kimi kommt aus Finnland und war 9 Jahre alt als sein Vater für 1 Jahr nach Deutschland versetzt wurde.
Ich wurde gebeten ihm Deutsch beizubringen. In der Regel ist das für einen 9-Jährigen keine allzu große Schwierigkeit und es ist vor allem eine Bereicherung! Als ich aber in den ersten Schultagen zu Kimi kam, hatte er sein Etikett schon weg und war auf dem besten Wege abgeschoben zu werden. Er sei vollkommen verhaltensgestört, schneide nur Grimassen, störe die anderen Kinder und mache bei gar nichts mit. Kimi konnte keine 2 Minuten still sitzen ohne unter dem Tisch zu landen, in der Nase zu bohren, die nur noch zentimeterlangen Stifte erneut zu spitzen usw. Dass Kimi ein Kind mit Aufmerksamkeitsproblemen und einer ganzen Latte von Teilleistungsschwächen war, war in der Tat nicht zu übersehen. Und obwohl in der Schule alle es eigentlich sehr gut mit ihm meinten, stand das Urteil schnell fest: er gehöre in die Sonderschule. Das lässt sich aber in Deutschland nicht so schnell realisieren, zumal insbesondere der Vater der Meinung war, doch ein recht normales, intelligentes Kind zu haben, vielleicht etwas unkonzentriert, aber eigentlich auch deshalb, weil er sich zum Beispiel bei Mathe langweilen würde! Da der kleine zart gebaute Kimi (stellen Sie sich Michel aus Lönneberga in dünn vor) in der Klasse untragbar schien, wurde ich gebeten, täglich zu kommen, um mit ihm 2 Stunden Deutschunterricht zu machen, dann durfte er höchstens noch beim Sport dabei sein und sollte dann wieder nach Hause gehen.
Ich habe meine Aufgabe zunächst darin gesehen, Kimi die Möglichkeit zu geben, mit seinen Mitschülern zu kommunizieren und zumindest teilweise dem Unterricht zu folgen. Bald lernte ich aber umdenken, und merkte, dass er erst einige Grundfähigkeiten erwerben musste, damit er überhaupt etwas lernen konnte: d. h. Aufmerksamkeit, Konzentration, zielgerichtetes Verhalten, Ausdauer, auch Stillsitzen, einen Bleistift führen und vieles mehr….
Ein weiteres, ganz wichtiges Ziel war für mich, zu versuchen, die völlig gegenseitigen Standpunkte der Eltern und der Schule mit einander zu versöhnen, denn beide Sichtweisen wurden Kimi nicht gerecht. Das ist  aber leider bis zum Schluss nicht gelungen.
Im Laufe des Schuljahres haben Kimi und ich miteinander gelernt, wie er überhaupt lernen könnte, obwohl die Umsetzungsmöglichkeiten in einem kleinen Schulraum leider beschränkt waren. Eine Sprache lernt man am Besten, indem man in der Sprache mit anderen etwas tut und auch motiviert ist, zu verstehen und zu sprechen (Denken sie an Ihre eigene Schulzeit zurück, wo haben Sie schneller und vor allem dauerhafter die Sprache gelernt, mit dem Vokabelheft oder vielleicht bei einem Besuch in England?).

Kimi spielt sehr gern und liebt Herausforderungen, zumindest, wenn es ums Gewinnen geht. Dann ist er plötzlich sehr motiviert, konzentriert und ausdauernd. Er vergisst sogar auf dem Stuhl herumzuklettern oder an einer ewigen Gurke zu knabbern. Deshalb suchte ich in meinem Keller nach Brettspielen. Unter anderem über diese Brettspiele konnte Kimi nicht nur Deutsch verstehen und sprechen lernen, sie waren auch bald die beste Motivation vorher oder anschließend, das zu tun, was er ziemlich hasste: nämlich lesen und schreiben.
Kimi’s Schulranzen blieb bis zum Schluss eine unvorstellbare Müllhalde, ich habe der Mutter nicht erklären können, dass es auch ihre Aufgabe war, Tag für Tag mit ihm den Ranzen aufzuräumen, die Stifte zu kontrollieren (er hat ein Vermögen an Stiften klein gespitzt oder auch gleich verloren) und die Sachen für den nächsten Tag bereitzulegen. Kimi war doch so selbständig, also sah sie wahrscheinlich keinen Bedarf, ihm bei diesen Dingen zu helfen, vielleicht war sie aber auch selbst durch die vielen Schwierigkeiten im fremden Land überfordert.
Am liebsten aber erzählte er mir von den neuen Video-Spielen, die er mit Papa, ein Computerspezialist, abends gespielt hatte, von den Play-Station Spiele, deren Titel, mich immer erschreckten und sicher für ältere Jugendliche bestimmt wären. Ich weiß, wie schwer es ist, den Umgang mit elektronischen Geräten einzugrenzen, vor allem wenn ein Kind sich mit anderen Kindern sehr schwer tut. Ich kann deshalb die Beweggründe von Kimis Eltern teilweise verstehen. Trotzdem sind die vielen Vorbehalte, die von pädagogischer Seite gegen elektronische Spiele vorgebracht werden, berechtigt. Ein Kind wie Kimi, dessen Gehirn, ständig eine Belohnung, einen Kick braucht, um aufmerksam funktionieren zu können, kann dadurch die Strukturen, die aufmerksames, zielstrebiges Lernen ermöglichen, nicht ausbilden, es wird nur noch weiter geschädigt werden. Es wird im wahrsten Sinne süchtig nach solchen Belohnungen und kann nicht lernen, Konzentration und Ausdauer für eine Tätigkeit aufzubringen, die erst langfristig zum Erfolgserlebnis führt.
Kimis Vater dagegen, war zweifellos sehr stolz darauf, dass sein Sohn seine Computerbegabung mitbekommen hatte, ohne zu sehen, wie viel Kimi fehlte, um auch nur das niedrigste Klassenziel zu erreichen.
In der Klasse hat Kimi, trotz anfänglicher Bemühungen der Schüler, nie Anschluss gefunden. In den Pausen lief er meist alleine herum. Manchmal versuchte er über Körperkontakt (kitzeln, erschrecken, Ball zu werfen usw.) Kontakt zu bekommen, dann wurden 1-2 Sätze gewechselt und Kimi war wieder alleine. Er hat sich auch nie, vielleicht bis auf einige Ansätze am Jahresende, an den Klassenaktivitäten beteiligt. Wenn ich ihn abholte, lag er unweigerlich mit dem Kopf auf der Bank oder schaute sich Comics an. Immerhin las er zum Schluss nur noch deutsche Comics, was bei der verschrobenen, unnatürlichen Sprache, die darin verwendet wird, schon fast an ein Wunder grenzt.
Kimi und ich haben diesen Unterricht gern miteinander gemacht. Er hat gelernt, sich länger zu konzentrieren und konnte bald fließend Finnisch und Deutsch lesen, zum Schluss schaffte er es sogar über eine halbe Seite in einer sauberen, gleichmäßigen,
wenn auch noch recht großen Schrift zu schreiben. Oft hat er mich verblüfft, wenn er fremde Texte mit der doch sehr schwierigen deutschen Grammatik auf Anhieb verstand.
Im Sekretariat wurde ich regelmäßig mit Worten des Mitleids empfangen, obwohl man durchaus gewillt war, Kimi zu helfen, aber wir sind es in unserer Gesellschaft offenbar gewöhnt, ein Kind als „böse“, für die Klasse untragbar, zu betrachten, wenn es Verhaltens- oder Lernprobleme zeigt und den Erzieher zu bedauern. Zu wenig wird an das Leiden des betroffenen Kindes gedacht und an den Umständen, die seine Verhaltensprobleme erst hervorrufen oder verstärken.
Förden heißt nämlich auch eine Umgebung schaffen, in der sich das Kind angenommen fühlt und es ein Gefühl der „Gegenseitigkeit“ erhält, wie die israelische Kinderpsychologin Pnina Klein es nennt, d. h., dass das Kind sich als wichtiger Partner empfindet, dessen Eigenheiten akzeptiert und dessen Vorstellungen respektiert werden.
Habe ich mit Kimi den richtigen Weg gefunden? Das ist nicht so einfach zu beantworten. Ich musste immer wieder feststellen, dass Kimi sich nur begrenzt, wenn es auch nach und nach besser wurde, mit unliebsamen, d. h. für ihn schwierigen Aufgaben beschäftigen konnte. Bald hatte er sich dann nicht mehr unter Kontrolle und wir mussten zu Beschäftigungen zurückkehren, die ihn motivieren konnten. Kimi ist in dem Jahr trotz allem ruhiger und sehr viel reifer geworden. Und ich glaube, er hat eine bessere Basis, um jetzt in Finnland weiterzulernen, obwohl er weiter sehr viel Einzelhilfe brauchen wird.
Bei ihm, und bei anderen Kindern und Jugendlichen habe ich festgestellt, dass sie offener und selbstbewusster werden, wenn sie neben der fachbezogenen Unterstützung genügend persönliche Zuwendung bekommen.
Und das ist für mich der Kern der Förderung: nicht nur mehr Wissen oder Schulwissen erwerben, sondern gleichzeitig an der persönlichen Entwicklung arbeiten. Und das gilt für unsere Kinder genauso wie für so genannte „Normal-Syndrom-Kinder“.
Am Ende des Schuljahres waren alle, die Eltern und die Schule, sehr dankbar. Und ich habe mich gefreut, dass ich zumindest etwas für Kimi tun konnte. Aber meine Rolle war eigentlich ganz einfach gewesen: Ich hatte nicht den Leidensdruck der Eltern. Ich musste nicht, wie die Lehrerin  24 teils schwierige Kinder unterrichten und vielleicht an mein Selbstverständnis als Lehrerin zweifeln, weil Kimi in der Klasse überhaupt keine Mitarbeit zeigte.
Wenn ein Kind große Schwierigkeiten hat, ist es deshalb oft sehr hilfreich, einen neutralen Vermittler zu haben, der nicht zwischen Fördern und Fordern, zwischen Erfolg und Misserfolg zerrissen wird und deshalb freier ist, auf das Kind, auf seine Bedürfnisse, seine Situation, seine Schwierigkeiten und seine Stärken einzugehen.
Wir Eltern werden zwangsläufig oft zu Experten, was die Behinderung unseres Kindes angeht und doch können wir selten Distanz und  umfassenderes Wissen, wie sie Fachleuten eigen sein sollte, ersetzen.



Das Förderangebot muss stimmen, aber es muss auch angenommen werden (können)
Das Lernangebot hier an der Johannes-Schule zeigt immer wieder, welche wertvollen Impulse für die Zukunft der Kinder gesetzt werden können. Als Mutter bin ich hier oft positiv überrascht worden. Das letzte Beispiel stammt aus diesem Sommer und ich möchte es Ihnen gern als Erfahrung weitergeben.
Die Abschlussklasse hatte sich im Juni die Oper „Faust“ von Gounod (in Deutschland heißt sie merkwürdiger-weise „Margarethe“) angeschaut. Nun weiß ich, dass unser Sohn, wie viele Menschen mit Down-Syndrom Musik und bewegende Geschichten liebt, ich glaubte aber, dass seine unsterbliche Liebe Rolf Zuckowski oder Musicals wie Tabaluga oder „König der Löwen“ galt und ich befürchtete, dass er wohl zwischendurch ein Nickerchen machen würde. Das passierte aber nicht, er klärte mich sogar regelmäßig über den Fortgang der Tragödie auf und verglich die Aufführung mit Goethes Werk, wie sie es in der Klasse gelesen hatten.
Vor einigen Wochen wurde nun „Faust“ aus dem Amphitheater in Orange, in Frankreich ausgestrahlt. Ich hatte das nebenher erzählt und war nicht wenig überrascht, als mein Sohn zur gegebenen Zeit vor dem Fernseher sah. Nun lief die Übertragung sehr spät, nämlich von 21.30 h bis 01.30 h. Ich wäre sehr gern ins Bett gegangen, aber unser Sohn ließ sich nicht überreden und blieb bis zum letzten Applaus sitzen. Am nächsten Morgen überraschte er mich schon vor dem Frühstück damit, dass er sich im Internet, Aufführungen der Zauberflöte, Aida usw. herausgesucht hatte. Wir wollten an dem Wochenende wegfahren, aber nein, er wollte nach Xanthen, die Zauberflöte ansehen.
Wenn den Schülern in der Schule hier Faust nicht nahe gebracht worden wäre, weil sie lern- oder geistig behindert sind, wäre sein Interesse vielleicht nie in dem Maße geweckt worden und „Tarzan“ wäre das nächste musikalische Ziel geblieben. Nicht das dagegen etwas einzuwenden wäre, aber das Angebot in der Schule hat unserem Sohn eine Welt geöffnet, die ihn bis dahin nicht so interessiert hatte. Das glaubten wir zumindest.

Den Weg finden, wieder „normale“ Eltern zu werden
Wenn ich einige Jahrzehnten persönlicher Erfahrung mit ganz unterschiedlich begabten, eigenen und fremden Kindern zusammenfassen darf, glaube ich, dass die Art und Weise, wie wir jedes Kind individuell betrachten, wie wir versuchen, seine Schwächen, seine Stärken oder seine Neigungen zu kennen, ihm entsprechende Erfahrungen vermitteln und Aufgaben stellen, die es bewältigen kann, es an unserem Leben beteiligen und ihm Zuwendung geben, dass dies alles ein Klima schafft, das an sich die beste Förderung ist, die wir ihm zu kommen lassen können.
Wichtig ist genauso, wenn das Kind Probleme hat, dass sich Eltern und Erzieher oder Lehrer vielleicht stärker als bisher als Erziehungspartner verstehen und gemeinsam versuchen, wach zu rufen, was das Kind in sich trägt und nicht auf „biegen und brechen hineinzutun“, was nicht oder noch nicht in seinen Möglichkeiten liegt.
So können die Eltern den Weg finden, der sie wieder zu „normalen“ Eltern werden lässt. Und nur so wird das Kind als Erwachsene auch eine eigene Stimme bekommen können.
Kinder verfolgen oft andere Ziele als ihre Eltern und wir können unsere, auch wenn sie die besseren Ziele sein sollten, nicht aufzwingen.
Bei unseren besonderen Kindern heißt Fördern leider auch ganz oft, Einschränkungen akzeptieren oder nach Wegen, in der kindlichen Veranlagung oder in der Umwelt, zu suchen, die diese Einschränkungen am Besten ausgleichen können.
Wir werden trotz bester Bemühungen nicht immer Erfolg haben, weil die Umstände das oft nicht erlauben. Wir finden auch nicht immer die passende Schule, das richtige Hobby, die passenden Freunde. Oft müssen wir sehen, wie das Kind der Nachbarn doch schneller laufen lernt, besser spricht, mehr Chancen bekommt….Das Leben hält auch viele Stolpersteine und Hindernisse bereit, erst recht wenn wir ein besonderes Kind haben.
Manchmal werden wir uns auch einfach irren und einen falschen Weg gehen, aber trotzdem wird sich unser Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten entfalten, wenn es sich von uns angenommen und unterstützt fühlt.
Letztendlich wird Förderung immer eine Gradwanderung und eine Herausforderung bleiben, aber wenn ich auf die letzen Jahrzehnte zurückschaue, dann glaube ich, dass in Bezug auf Kinder mit Behinderung und ganz sicher an dieser Schule, viel erreicht wurde und das wir, Eltern und Fachleute, heute viel besser wissen, wie wir diese Herausforderung annehmen können.
 
Monique Randel