Malabsorption und Glutenunverträglichkeit

Bei einigen Kindern mit Down-Syndrom ist eine Malabsorption Ursache für Darmprobleme und für ein verlangsamtes Größenwachstum. Zöliakie, oder Glutenunverträglichkeit tritt beim Down-Syndrom häufiger auf. In der Durchschnittsbevölkerung sind lediglich 0,43% betroffen, beim Down-Syndrom sind dies jedoch  6% (Bonamico, Rasore-Quartino et al., 2001). Gluten ist in den meisten Getreidesorten (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer) enthalten. In ihrer typischen aber selteneren Form handelt es sich um eine schwere Krankheit. Sie entwickelt sich meist im Säuglingsalter (mit ungefähr 6 Monaten), wenn das erste Getreide zugeführt wird. Eine Glutenunverträglichkeit kann auch später in der Kindheit oder im Erwachsenenalter erworden werden und kennt häufig einen atypischen Verlauf.
Eine Glutenunverträglichkeit zeigt sich u. a. durch Durchfall, Verstopfung, einen aufgedunsenen Bauch oder schlechtes Gedeihen. Heute kommen die milderen oder atypischen Formen, die spät in der Kindheit oder in der Jugend auftreten, häufiger vor. Die Darmsymptomatik ist seltener oder fehlt. Es können sich jedoch eine Hypovitaminose (Vitaminmangel), Anämie (Blutarmut) und weitere immunologische Krankheiten oder Minderwuchs zeigen. Auch Verhaltensauffälligkeiten werden beobachtet. Im späteren Verlauf kann eine Veränderung der Darmschleimhaut auftreten. Die Ursache für das Entstehen der Zöliakie ist noch unklar. Neuere Studien schreiben die Ursache der Schleimhautschädigung einer abweichenden Immunreaktion auf Gliadin zu (Marsh, 1992). Die Diagnose basiert auf einer Darmbiopsie. Hierbei wird eine Sonde über den Mund in den Dünndarm eingeführt. Dabei zeigen sich die typischen histologischen Läsionen der Schleimhaut: eine teilweise oder vollständige Zottenatrophie.  IgG- und IgA-Gliadin-Antikörper können zuverlässig durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Bei positiven Ergebnissen sollte zur Absicherung der Diagnose eine Darmbiopsie durchgeführt werden. Beim Down-Syndrom zeigen sich vermehrt positive Werte für IgAAGAs, die jedoch nicht durch eine Biopsie bestätigt werden können. IgGAGAs reagieren weniger spezifisch, jedoch empfindlicher und sind sogar häufiger positiv (Storm, 1990). Heutzutage hat der Antiendomysium-Immunofluorszenztest als verlässlicher, hochspezifischer Screening-Test, das Gliadinantikörperscreening fast vollständig abgelöst. Auch ein Bluttest auf Antitransglutaminase kann der Biopsie vorausgehen.
Bei der Behandlung der Zöliakie ist eine vollständig glutenfreie Diät angezeigt. Sie sollte ein Leben lang durchgeführt werden, da bereits kleine Mengen Gluten den Zottenaufbau im Dünndarm zerstören. Diese Diät führt zu einer vollständigen Genesung, erfordert aber viel Disziplin und Fürsorge. Eine ständige Überwachung der Patienten ist notwendig, um ihre Mitarbeit totz enormer Einschränkungen zu unterstützen.